Was ist eigentlich Craft Beer?

Hören wir ständig, aber was steckt hinter dem Begriff? Und wie steht es um die Qualität des Trend-Biers? Scrollen & schlauer werden!

Fangen wir von vorne an und übersetzen den Begriff, der innerhalb kürzester Zeit eingedeutscht wurde – ohne, dass wir genau wissen, was er bedeutet.

Was heißt „Craft Beer“ auf Deutsch?

„Craft“ heißt „selbst gemacht“ oder „Handwerk“. Ist „Craft Beer“ oder denglisch „Craft Bier“ also wirklich von Hand produziert? Eher nicht, denn zur Bierproduktion werden heute nun mal moderne Maschinen eingesetzt. Blicken wir kurz auf die Geschichte des Craft Beers zurück, um die Namensgebung zu verstehen.

Craft Beer stammt ursprünglich aus Amerika

Craft Beer entstand in den 1980er Jahren in den USA – als Gegenbewegung zum industriell gebrauten Bier. Warum gerade damals? Das Heimbrauen war zuvor verboten, erst 1978 wurde das Gesetz geändert. Seitdem floriert die Szene: Die sogenannten Micro Breweries und Craft Breweries, in denen experimentiert werden konnte, schossen aus dem Boden – aus damals etwa 50 Brauereien sind heute 3.500 geworden.

In den USA gibt es eine offizielle Definition. Eine Craft Beer-Brauerei ist nach der US Brewers Association:

  • Klein: Sie darf höchstens sechs Millionen Barrel Bier (fast zehn Millionen Hektoliter) im Jahr produzieren.
  • Unabhängig: Weniger als 25 Prozent der Brauerei dürfen zu einem Getränkegroßkonzern gehören.
  • Traditionell: der Großteil des produzierten Biers muss nach dem Reinheitsgebot gebraut sein.

Würden wir diese Definition nun auf deutsche Verhältnisse übertragen, wäre fast jede deutsche Brauerei eine Craft Beer-Brauerei. Denn „klein“ sind unsere Brauereien demnach so gut wie alle: Augustiner hat zum Beispiel einen Ausstoß von 1,6 Millionen Hektoliter, die Carlsberg-Gruppe, die unter anderem Holsten und Astra verkauft, insgesamt 2,5 Millionen Hektoliter im Jahr. „Traditionell“ trifft ohnehin meist zu, da in Deutschland nach dem Reinheitsgebot gebraut wird. Bleibt noch „unabhängig“: Durch dieses Kriterium würden dann doch einige Brauereien den Craft Beer-Titel verlieren, weil sie internationalen Konzernen angehören, wie zum Beispiel Hacker-Pschorr zu Heineken. Heißt aber trotzdem: Die amerikanische Definition kann in Deutschland nicht gelten.

Craft Beer in Deutschland

Es gibt zwar keine eindeutige Eingrenzung, du kannst aber an einigen Aspekten überprüfen, ob die Biersorte, die du gerade ausprobierst, sich nur als Craft Beer ausgibt oder tatsächlich eines ist:

  • Ist das Bier kreativ? Ein Craft Beer-Brauer will ein möglichst individuelles Bier mit besonderem Geschmack produzieren – und nicht den Geschmack der Masse treffen, um möglichst viel Geld zu verdienen.
  • Steht jemand hinter dem Bier? Im Falle von Craft Beer sollte es einen Gründer oder Brauer geben, der mit seiner Person für die Marke einsteht.
  • Gehört es einem großen Konzern an? So wie auch in der amerikanischen Definition sollte deutsches Craft Beer unabhängig sein.
  • Ist das Bier natürlich zubereitet? Handwerk ist in dem Sinne zu verstehen, dass nur natürliche, hochwertige, teils sehr spezielle Zutaten – aber auch moderne Technik – zum Einsatz kommen. Im Craft Beer können zum Beispiel Holunderblüten, Orangenschalen, Kakao- oder Kaffeebohnen enthalten sein.
  • Schmeckt das Bier? Ein Craft Beer sollte nicht den Geschmack eines üblichen Biers haben. Oft fallen für einzigartige Geschmacksprofile auch höhere Brau-Kosten an, was das Bier teurer macht.

Hier der Versuch, das Ganze kompakt in einen Satz zu fassen: Craft Beer meint Bier, das natürliche, oft ungewöhnliche Zutaten enthält, deswegen unkonventionell schmeckt und von Brauereien produziert wird, die sich von den großen Braukonzernen abheben und alte Biersorten neu interpretieren.

Noch kürzer: Craft Beer bezeichnet eine Bierspezialität, ein Bier mit Charakter.

Gibt es verschieden Sorten oder ist Craft Beer immer IPA?

Auch wenn das India Pale Ale (IPA) so etwas wie der Referenzbierstil des Craft Beers ist – einen typischen Bierstil gibt es nicht. Oft werden internationale Bierstile oder solche, die schon fast vergessen waren, wiederbelebt. Darunter eben auch das IPA, das im 19. Jahrhundert in England und Schottland für die indischen Kolonien gebraut wurde. Oder: Porter, Lager, Ale, Pale Ale, dunkle Stouts (schwarzes Bier mit cremefarbener Schaumkrone), Lambic (belgische Bierspezialität) und Gose (Weizenbier, das ursprünglich aus Goslar stammt). Aber auch ein Helles oder Pils kann in die Kategorie „Craft Beer“ fallen, wenn es hochwertig und nicht für den Massenverkauf produziert wurde.

Craft Beer Messen, Craft Beer Oktoberfest, Craft Beer days – es gibt jede Menge Möglichkeiten, die verschiedene Sorten mal durchzuprobieren. Von 3. bis 4. April 2020 findet in München zum Beispiel das „Craft Bier Fest München“ statt. Hier geht’s zur Veranstaltung:

http://www.craftbiermuc.com/new-index/

Wo kann man IPA & anderes Craft Beer kaufen?

In jeder größeren Stadt findest du in einem Getränkeladen vermutlich auch einige Craft Beer-Sorten. Zu bekannten deutschen Craft Beer-Brauereien gehören zum Beispiel Freigeist Bierkultur oder Himburgs Braukunstkeller. Sogar Discounter wie Lidl und Aldi haben Craft-Beer-Angebote. Wenn dir das suspekt ist: Es gibt immer mal wieder nette Menschen, die diese Discounter-Craft Biere auf ihren Geschmack testen. Hier zum Beispiel ein Lidl-Test:

Klar muss dir nur sein: Je billiger das Craft Beer ist, desto mehr Aromen, raffinierte Zutaten und färbende Bestandteile sind vermutlich enthalten. Je teurer, desto hochwertiger ist der Hopfen und desto wahrscheinlicher ist es, dass die verwendeten Früchte oder Gewürze echt sind. Auf dem Etikett kannst du nachlesen, was drinsteckt. Wenn du dir spezielle Sorten wünschst, kannst du Craft Beer natürlich auch bequem in Online-Shops bestellen. Oder noch besser: Du braust es mit BrauFässchen selbst! Wir haben India Pale Ale oder Pale Ale im Angebot. Hier kommst du direkt zum Shop:

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Craft Beer und Reinheitsgebot – wie passt das zusammen?

So, und wenn wir dann gerade unser Craft Beer schlürfen und es nach Kaffeebohnen schmeckt, kann durchaus die Frage aufkommen: Darf Bier nach dem Reinheitsgebot nicht nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe enthalten? Ja, eigentlich schon, aber man kann als Brauer in Deutschland – nur nicht in Bayern und Baden-Württemberg – einen Antrag auf das „Brauen besonderer Biere“ stellen. Viele Craft Beer-Sorten können durchaus nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Kommen Zutaten wie Kräuter, Gewürze, frische Früchte oder eben Kaffee hinzu, verstößt das allerdings gegen das Gebot. Die Craft-Beer-Brauer sind nicht umsonst die Revoluzzer unter den Brauern – sie wollen es gar nicht immer einhalten, weil sie es längst für überholt halten. Viele wünschen sich stattdessen ein „Natürlichkeitsgebot“, das nur natürliche Zutaten und keine künstlichen Aromastoffe zulässt. Denn trotz des Reinheitsgebots finden beim normalen Brauprozess chemische Filtrierungsprozesse statt. Außerdem steht es dem kreativen Brauen im Weg, bei dem Neues entstehen kann.

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